Hannah`s Blog

HANNAH AUF DER JOHANNISHÖHE

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebe (Schul)Familie, liebe Pflanzenbegeisterte,

ich bin Hannah und mache in der Karl Schubert Schule ein FSJ. Zwei Tage der Woche bin ich auch auf der Johannishöhe, am liebsten bei den Tomaten, an der Seite von Johannes zu finden. Die Arbeit gefällt mir sehr. Mich fasziniert die Flora und Fauna sehr. So werde ich versuchen Euch regelmäßig Pflanzen vorzustellen, Euch von meiner Arbeit zu erzählen.

Von sofortiger Begeisterung und Strohhüten

Als ich angekommen bin, war ich, um ehrlich zu sein, etwas überrascht, der Garten ist doch sehr groß! Auf einmal ist ein Strohhut hinter den Tomaten aufgetaucht, da hatte ich das erste mal Johannes getroffen. Er ist genauso wie man sich einen Gärtner vorstellt, kurze Hose, Sandalen und – wie gesagt- Strohhut, Wissen über Pflanzen, Tiere und Umwelt wie 100 Lexika zugleich. Seine Begeisterung für das Gärtnern hat sofort angesteckt und da stehe ich, voller Freude und gieße die Tomaten. Es gibt natürlich auch anderes Gemüse: Gurken, Zucchini, 5 verschiedenen Köhler, Mais und natürlich Salat und Bohnen. Oh, Obststräucher, Beeren vor allem, findet man natürlich auch, Ihr seht also, verhungern kann man da nicht! Auf der Johannishöhe wird in einer Permakultur (eng. permanent agriculture) angebaut, das setzt einen achtsamen, liebevollen und dankbaren Umgang mit Pflanzen, Tieren und Erde voraus. Wir versuchen, energie- und ressourcensparend zu arbeiten, nutzen nur Regenwasser und machen eigentlich alles per Hand. Ganz allgemein beinhaltet die Permakultur folgende Vorsätze:

EARTH CARE- Trage Sorge für die Erde

PEOPLE CARE- Trage Sorge für die Menschen

FAIR SHARE- Teile fair und setze Grenzen für Konsum

Das Fundament des permakulturellen Anbaus haben Bill Mollison und David Holmgren, zwei australische Designer, in den 1970er Jahren geschaffen, nach Anbaumethoden in China, Korea und Japan. (Mollison erhielt 1981 dafür den Alternativen Nobelpreis Right Livelihood Award) 1 „Permakultur dreht sich um die Gestaltung nachhaltiger menschlicher Siedlungen. Es ist eine Philosophie und ein Konzept für Landnutzung, das ein- und mehrjährige Pflanzen, Tiere, Boden, Wassermanagement und menschliche Bedürfnisse zu komplex vernetzten produktiven Gemeinschaften verbindet.“ – Bill Mollison 2

Masanobu Fukuoka (1919-2008), ein japanischer Mikrobiologe und Bauer, der die „Nicht-Tun“ Landwirtschaft, mit der er einen daoistischen Blick auf die optimale Anbauweise und Ernte pflegt, hat mit seinen Forschungen optimale Vorarbeit geleistet. Er ist auch der Begründer des Konzepts der „One Straw Revolution“. „When it is understood that one loses joy and happiness in the attempt to possess them, the essence of natural farming will be realized. The ultimate goal of farming is not the growing of crops, but the cultivation and perfection of human beings.“ Fukuoka Masanobu, The One-Straw Revolution

Wir versuchen stets von der Natur zu lernen, Schatten und Sonne zu beachten und die heimischen Lebewesen und Pflanzen kennenzulernen und zu fördern.

Das Prinzip: „Mischkultur statt Monokultur“ ist dabei sehr wichtig. Wir bauen viele verschiedene Pflanzen nebeneinander an. Die schon bei den Majas so angebauten „drei Schwestern“ Mais, Bohnen (oder Erbsen) und Kürbis ergänzen sich perfekt. Der Mais dient den Erbsen als Rankhilfe, die Erbsen binden Stickstoff und geben diesen an den Boden ab und der Kürbis bedeckt den Boden, um Unkraut zu unterdrücken.  Die Kraft der Schwesternliebe, immer wieder begegnet sie mir.

Von diverser Schönheit 

Beginnen will ich mit meiner Lieblingspflanze auf der Johannishöhe, der Tomate.

Hier wachsen 20 verschiedene Sorten, von kleinen Kirschtomaten, großen Ochsenherztomaten bis zu Johannes´ eigenen Tomatenmutationen.

Schonmal eine schwarze Tomate gesehen? Ich auch nicht. Schön und besonders ist sie. Die Natur ist Vorbild für die Schönheit der Diversität.

Hier sind nicht nur die Früchte schwarz, naja eigentlich eher violett, rötlich, dunkelbraun, und auch die Blätter sind dunkel gefärbt, schmecken würzig und aromatisch. Die Blätter dieser Pflanze sind auch dunkler als bei den anderen Sorten. Die Verfärbung kommt durch den Stoff Anthocyane. Er wirkt genauso wie der in den roten Tomaten, das Carotinoid (bekannt aus den Karotten), gesundheitsfördernd und antioxidativ. Das bedeutet, dass sie oxidative, schädlich wirkende Substanzen, sogenannte freie Radikale, die z.B. durch Zigaretten, Alkohol oder chronische Entzündungen in den Körper gelangen, abfangen bzw. unschädlich machen. 3   Schädlich, sogar giftig ist auch das in den grünen Tomaten enthaltene Solanin, das allerdings während der Reifung verfliegt. Schwarze Tomaten entstanden durch natürliche Auslese und Züchtung.

vom Hühnchen des Waldes und anderen Pilzen

Ich durfte mit Johannes eine erfolgreiche Pilzwanderung im Leipziger Wald machen. Welcher Wald das genau war, wird nicht verraten (jeder Jäger und Sammler hat seine Geheimen Orte). Mal wieder musste ich feststellen, wie unaufmerksam mein Auge ist. Viele Pilze habe ich ausversehen zertreten, am Ende hatte Johannes die meisten gesammelt. Spaß hat es natürlich trotzdem gemacht, ein einmaliges Erlebnis. Selber würde ich aus Angst vor giftigen Pilzen nie alleine sammeln. Die meisten Pilze, ich muss immer an den bayerischen Begriff „Schwammerl“, der irgendwie abstoßend klingt, denken, waren Pfifferlinge (auch Eierschwamm oder Rehlinge genannt). Trotz langer Suche nach dem sogenannten „Chicken of the Woods“, dem Schwefelporling, der nach Hähnchen schmecken soll, konnten wir leider keinen finden. So ein Geschmack von Pilzen hätte mich doch sehr interessiert, wobei ich, als Fleischnichtmögerin, wahrscheinlich nicht allzu begeistert gewesen wäre.

Allgemein kann ich mich sehr für Pilze begeistern. Die botanische Bezeichnung lautet ,fungi´ (lat. Fungus – Pilz ,kommt vom altgriechischen σφόγγος sphóngos – Schwämme), weil sich Pilze ebenso mit Wasser vollsaugen wie Schwämme. Pilze sind sesshaft wie Pflanzen, sind aber dennoch weder Pflanzen (sie sind der Photosynthese, also der Umwandlung von Wasser(H2O) und Kohlenstoffdioxid(CO2) in Verbindung mit Sonne zu Glucose (Traubenzucker C6H12 O6) Sauerstoff (O2) und nicht fähig)  noch Lebewesen. Pilze bilden also das dritte Reich eukaryotischer Lebewesen. Sie ernähren sich von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung. Sie verbreiten sich, anders als Lebewesen ungeschlechtlich(asexuell), durch Bildung von Sporen. Auch auf der Johannishöhe existieren tausend verschiedene Pilze, leider wenig genießbare. Dort sind sie uns oft bedauerlicherweise feindlich gegenüber getreten, etwa als parasitäre Zersetzer von Bäumen. So hat der Riesenporling etwa den Stamm und die Wurzeln einer wunderschönen Eiche zersetzt, sie ausgehöhlt. Der ca. 300 Jahre alte Walnussbaum ist vom Schuppigen Porling belebt, der schon geschwächte Bäume langsam tötet.

Im Kompost beispielsweise finden wir auch viele Pilze. Dort sind sie sehr nützlich, als Holzzersetzer. Das ist der Kreislauf der Natur, wir als Menschen müssen uns als winzigen Teil dessen sehen, nicht alles läuft nach unserer utopischen Idealvorstellung. Der Tod ist so alltäglich und unumgänglich. Mal wieder eine Weisheit, die ich als Mensch von der Natur lernen kann.

Von Köhlern und Sensen

Tagesernte vom 01.10. : viel Grünkohl, Bohnen und Mais

Langsam müssen wir uns auch auf der Johannishöhe vom Sommer verabschieden und für den bevorstehenden Winter planen.

Die letzten Tomaten werden geerntet, auch der Mais kann nicht mehr weiter wachsen. Allein die prime-time von Grünkohl, Rotkohl (Kohl (brassica) aus der Gattung der Kreuzblütler) und Kürbis beginnt jetzt. Pünktlich zu Weihnachten wird der Rotkohl zu ernten sein, dann wenn er, wie das Spitzkraut, von außen kompakt und fest ist. Rotkohl, eines meiner Lieblingsgemüse (wie eigentlich alle Gemüsesorten) ist reich an Mineralstoffen, wie Eisen, Ascorbinsäure (Vitamin C) und den schon vorhin erwähnten Anthocyanen. 5 Rotkohl wird auch, je nach Farbe (die abhängig von der Bodenbeschaffenheit blau bis rot ist) Blaukraut, Rotkraut genannt.  In der Schweiz fand man den spannenden Begriff Blau- bzw. Rotchabis.

Heute habe ich zum ersten Mal eine Wiese gesenst. Ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses ist das Schleifen des Sensenblattes, das ca. alle 10 Minuten mit einem Wetzstein nachgeschliffen werden muss. Am Anfang hatte ich zugegebenermaßen Angst, mir den Fuß abzusensen, durch den 180 Grad Radius der in der Bewegung entsteht.

Aber wie immer: Übung macht den Meister und so werde auch ich bald eure Wiesen und Gärten in Blitzesschnelle absensen!

Vom trockenen Leipzig und Kolonialismus

05.10.2020 : Tag des Endes und des Neubeginns

Heute haben wir hauptsächlich gegossen, da es aktuell sehr trocken ist. Allgemein ist das Klima in Leipzig ganz anders als bei mir Zuhause in Bayern. Mit einer Niederschlagsmenge 723 mm und einer Durchschnittstemperatur von 10,2 Grad Celsius wird es als warm und gemäßigt klassifiziert.Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit, haben wir nun auch Bohnen (Familie der Hülsenfrüchte) und Mais (Familie der Süßgräser, ursprünglich aus Mexiko) das Ende ihres Lebens prophezeit und ausgerissen, neue Samen gesäht. Bei uns und auch bei der globalen Getreideernte nimmt Mais mit über 1,1 Mia Tonnen den ersten Platz, erstaunlicherweise, vor Weizen und Reis ein.7 Dabei wird er, im Gegensatz zu uns, hauptsächlich an Tiere verfüttert. In diesen Dimensionen bauen wir noch nicht an. Dieses Jahr hatten wir ca. 5 Stauden. Dank unseres wunderbaren Seefahrer und Entdecker Christoph Columbus, dürfen wir auch hier seit dem 16. Jahrhundert Mais genießen. (Ironie off)

Da ich mich aktuell viel mit (post)kolonialen Strukturen und der (Re)Produktion von Rassismus auseinandersetze, finde ich es in dem Zuge auch wichtig, zu erkennen, wo unserer Nahrungsmittel herkommen, in den seltensten Fällen von hier. (dazu eine anschauliche Präsentation https://www.baobab.at/images/doku/BIB_G4_Sodi_History-of-Food.pdf)

Da politische Problemstellungen oft sehr negativ forciert sind, versuche ich in der Natur Lebendigkeit und Leichtigkeit zu sehen und diese in mich aufzunehmen. Es macht mir so viel Spaß, alles wachsen und leben zu sehen, und irgendwann diese lebendige Energie zu konsumieren, die Pflanzen geben mir die Kraft zum Leben. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist dieses auf den ersten Blick unerkennbare Leben, das mich so fasziniert. Die Bäume, die jetzt schon ihre Triebe für den nächsten Sommer bilden und so im immergleichen Takt leben. Wir auf der Johannishöhe versuchen in diesem System zu funktionieren und uns anzupassen.

Bohnen und Mais sind geerntet und heute wurden direkt Zwiebeln, Knoblauch und Karotten gesäht, um im Frühling schon ernten zu können. Ich merke, die Gärtnerarbeit braucht viel Anpassungsbereitschaft an die Natur und das Vorausplanen, Liebe zum Kleinen und die Fähigkeit auch mal ohne Ernte nach Hause zu gehen, weil die Maus oder der Fuchs an den Bohnen genascht hat.

Die Natur ist so unglaublich intelligent. Mit den kürzer werdenden Tagen können viele Früchte nicht mehr reifen da die Pflanze ihre noch verbleibende Energie in das Bilden der neuen Triebe für die nächste Saison steckt. Macht total Sinn, oder? Immer wieder bin ich beeindruckt vom logischen Handeln, von der Einfachheit der Natur.

Also versuchen wir bei den Tomaten (die ja den Winter leider nicht überleben und noch Ende Oktober rausmüssen; wir ziehen wieder neue Pflanzen) die Blüten vorsichtig abzuzupfen, um die restliche Kraft noch in die Früchte zu lenken .

Beim Sähen, das habe ich heute gelernt, ist es wichtig die Fußwege durch die Pflanzen auch zu berechnen.

Ich zitiere dazu Johannes:,, Die Wegeplanung ist etwas Kompliziertes und sehr Wichtiges. Damit steht und fällt die Bequemlichkeit beim Gärtnern. Möglichst wenig Wege vereint mit maximaler bebaubarer Fläche und viel Ernte.‘‘

Ihr seht, auch der Mensch kommt hier nicht zu kurz, Gärtnern muss Freude bereiten. Das macht natürlich vor allem das Naschen!

Von viel (Ur)laub und dem Atmen der Wiese

Update vom 06.11.2020

In der ersten Ferienwoche fand die Ferienfreizeit auf der Johannishöhe statt: wir haben über dem Feuer gekocht, viel gespielt- Pfadfinder haben 2 Tage mit uns verbracht- geschnitzt und die erste eigene Jurte des Schulclubs aufgebaut. Nach einem Besuch bei meiner lieben Familie in den Schulferien geht es mit getankter Kraft weiter in der Schule und auf der Johannishöhe. Zum Glück bleiben uns etliche Coronamaßnahmen beim Gärtnern erspart. Jetzt geht es voll in die Wintervorbereitung: viel Laub rechen und für den Frühling Samen sähen.

Heute hatten wir viel Hilfe: meine Schwestern haben uns unterstützt. Wir haben Eichenlaub 2 Stunden lang gerecht und dann noch eine Pilzwanderung gemacht.

Ich habe nie verstanden, warum Menschen Laub rechen und diese Handlung immer als eine recht spießige und sehr pflichtbewusste gesehen. Es ist doch viel schöner die natürlichen Prozesse nicht zu beeinflussen und die Schönheit der Umwelt nicht mit Maschinen zu verändern. Doch jetzt weiß ich, dass zu dem ästhetischem Faktor – es sieht wirklich ordentlicher aus – auch das Wachstum der Wiese generiert. Vor allem das Eichenblatt verrottet nur langsam und lässt der darunterliegenden Wiese kaum Luft zum Atmen. So kann sich durch die hohe Feuchtigkeit und Dunkelheit Moos bilden. Im Vergleich dazu verrotten Kastanien oder etwa Ahornblätter innerhalb weniger Tage und verabreichen dem darunterliegendem Gras wichtige Nährstoffe. Interessanterweise verrottet das Eichenblatt auch nur von einer Seite, der ungewachsten. Wie auf den Bildern sichtbar hat das Blatt eine glänzende und eine matte Seite. Kleiner fun fact am Rande: weltweit gibt es ca. 600 Eichenarten!

Wir haben also in einer 2-Stunden-Aktion zu dritt seeeehr viel Laub gehäuft. Dieses bietet ein warmes Zuhause für Igel, Fuchs & Co während den nächsten kalten Monaten.

Auch wir profitieren von den Igeln, denn sie ernähren sich von Schnecken. Diese werden uns im Sommer das Gemüse in Ruhe lassen. Bevor ich derartige Zusammenhänge verstand, hatte ich die Existenz vieler Tiere als überflüssig erachtet.

Der davor- danach Unterschied – alles ist von einer Laubdecke bedeckt und nach einiger Arbeit ist das Saftgrün der Wiese wieder erkennbar – ist sehr beeindruckend. Und erinnert mich an den Jahreskreislauf. Vom energievollen und bunten Sommer in einen ruhigen und etwas tristen Winter. Langsam bereitet sich die Natur auf ihren Schlaf vor. Jegliches Leben wird zurückgefahren. Dadurch, dass es immer kälter wird, kann dieses Jahr kein neues Leben mehr entstehen. Doch wo etwas abstirbt, da gedeiht im gleichen Zuge auch neues Leben. So haben wir bereits jetzt Blumensamen gesäht. Denn der Frühling, ein neuer Lebenszyklus steht direkt nach der Dunkelheit und der Stille des Winters vor der Tür. Die Ruhepause für die hart arbeitende und stark strapazierte Natur.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: in diesem Fall war das Vergnügen eine Pilzwanderung. Wie immer haben wir nicht nur Pilze gesammelt, sondern das Wunder der Natur bestaunt.

Die letzten Wochen waren gefüllt vom Laubrechen, die Blüte und das Leben des Sommers auch im Winter noch nutzen, indem wir das ehemalige Tomatenbeet mit Ahornlaub zudecken. Die warme Decke entzieht dem Boden Sauerstoff und die Nährstoffe der Blätter gelangen in die Erde. So wird sie optimal für den nächsten Frühling und damit für eine neue Saison voller nahrhaftem Obst und Gemüse vorbereitet. Oberflächlich betrachtet sieht es so aus,  als mache die Natur Pause und schlafe. Doch von einer Deaktivierung kann keine Rede sein: tausende Mikroorganismen, kleinste Lebewesen und Zellen arbeiten jeden Tag, jede Minute und Sekunde. Alles lebt. Alles was noch nicht vom Menschen zerstört, getötet und umgebaut wurde. Der Mensch hat sich vom Nutzen und vom Leben im Einklang der Natur abgewendet, hin zur Entfremdung, zur Ausbeutung.

Vom Frühlingsbeginn und Zehrern

Nach viel Schnee und einer dementsprechenden Winterpause geht es seit Anfang März wieder mit voller Kraft weiter. Begonnen haben wir mit der Anzucht in Anzuchtschalen von Kohlrabi und Salat. Das was bereits Mitte Februar geschah. Kurz darauf konnten auch schon Tomaten und Paprika in die Erde. Kohlrabi und Salat befinden sich in einem nährstoffreichen Substrat aus Sand und (torffreier) Blumenerde. Als die Pflanzen groß genug waren, konnten wir sie vorsichtig mittels eines preparierten Pikierstabes vorsichtig aus der Erde lösen, um sie dann in selbst gebaute Beete zu bringen. Bis jetzt haben wir zwei davon, sie bestehen aus alten Brettern, eines ist mit einer lichtdurchlässigen Plastikfolie bedeckt, als Äquivalent zu einem Gewächshaus. Beide Beete sind schon ganz mit Samen gefüllt, viel Rotkraut, Salat, Fenchel usw. Auch die vorgezogenen, pikierten Pflänzchen sind schon in ihrem Be(e)t(t). Da im Herbst ja schon Zwiebeln, Knoblauch und Karotten (immer abwechselnd) gepflanzt wurden, ist schon ein Teil der Arbeit erübrigt.  

Die Planenlandschaft öffnen wir immer wieder und stellen fest, wie viel die Natur arbeitet, auch ohne frische Luft. Durch eine hohe Wärme unter den Planen werden Regenwürmer dazu animiert, den Boden stark zu durchwühlen, in der Theorie sollte auch Gras absterben. Aber da Gras sehr hartnäckig ist und scheinbar fünf Leben hat, ist das eher nicht so der Fall. Uns wird dennoch viel Arbeit erspart, wir mussten so weniger Gras abtragen und nur eine kleine obere Schicht, wir wollen schließlich nur auf Erde Gemüse anbauen.

Ich realisiere, dass ich ganz oft Johannes´ Theorien nicht begreife, am Ende aber alles Sinn macht. Ich merke auch, wie unglaublich viel Planung und räumliches Vorstellungsvermögen hinter so einer Anbaufläche steckt. Vor allem in Hinsicht auf permakulturelle Strukturen. Essenziell zur konkreten Standortbestimmung der Pflanzen ist auch die Einteilung in Stark-, Schwach- und Mittelzehrer. Das ,Zehren´ bezieht sich in diesem Kontext auf den Nährstoffverbrauch der Pflanze und da wir weder Boden auslaugen wollen, noch möglichst optimale Entwicklung der Pflanze hemmen, ist eine Aufmerksamkeit für diese Faktoren wichtig. 

Starkzehrer sind meist Pflanzen die schnell wachsen, große Früchte tragen und während ihres Wachstums besonders viel Stickstoff benötigen, der sich in der Pflanze in ein saftiges Grün umwandelt: Kartoffeln, Mais, Lauch, Paprika, Spargel, Tomaten, Rhabarber, Sellerie, viele Rübenarten, Kürbisgewächse (Gurke, Zucchini und Kürbis) und alle Kohlarten gehören dazu.

Nun gibt es Menschen, die dem Boden extra künstlich hergestellten Dünger antun, wir haben einfach Eselmist, Kompost und Holzspäne in die Beete gefüllt.

Schwachzehrer bieten also die Opposition zum Starkzehrer. Sie benötigen weniger Stickstoff(N). (Stickstoff ist zu 78% Hauptbestandteil der Luft, durch zu viel Düngung der Landwirtschaft besteht in vielen Teilen ein Stickstoffüberschuss in den Böden, weshalb eine Verringerung dieses auch ein Bestandteil der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ist. Durch den Stickstoffkreislauf kommt reaktiver Stickstoff vor allem über die Zersetzung abgestorbener ⁠Biomasse⁠ in den Boden und wird durch Regen in das Grundwasser abgewaschen. Vor allem Obst und Kräuter gehören zu dieser Gruppe, aber auch Bohnen, Erbsen und Radieschen, Kopfsalat, Knoblauch und Zwiebeln. Falls diesen Pflanzen zu viel Stickstoff zugeführt wird, sind sie durch eine Überbelastung anfälliger für Schädlinge. Zu beachten ist jedoch immer, dass es in der Pflanzenwelt keine starren Grenzen gibt, immer wechselnde Umweltfaktoren wie Sonne, Wasser und Luft mit einberechnet werden müssen.

Von der Begeisterung über eine Doppelgrabegabel und einer Kräuterspirale

Das Highlight der letzten Woche war sicherlich die Lieferung der Broadfork, eine Doppelgrabegabel, mit der Bodenlockerung auf sehr effiziente Weise stattfinden kann. Die sehr spitzen Spitzen der Gabel werden in die Erde gesteckt, die arbeitende Person stellt sich drauf und versucht mithilfe ihres Körpergewichtes den Boden aufzulockern. Das macht viel Spaß und der Gedanke an die gesparte Kraft macht noch mehr Freude. Immer wenn ich Zeitung lese und Infos über Klimawandel, Umweltverschmutzung oder Artensterben lese, überlege ich was ich mit diesem gewonnenen Wissen tun kann. Ich versuche so viele Infos und Gefühle hier zu verarbeiten, die Menschen die das lesen für die Natur zu begeistern und Achtsamkeit zu schaffen. Deswegen will ich nicht nur über meine Arbeit berichten, sondern darüber hinaus herausfinden, warum wir tun was wir tun.

So habe ich beispielsweise durch die Weisheit der Permakultur gelernt, dass wir Apfelbäume nicht nur Pflanzen um irgendwann die süßen Früchte zu essen, nein. Apfelblüten locken auch Bienen an, der Baum spendet Schatten (das wäre die permakulturelle Sicht auf den Baum). Darüber hinaus wurden, seit es Menschen gibt (also seit 300.000 Jahren), 3.000 Milliarden Bäume gefällt, alleine im 20. Jahrhundert 2.000 Milliarden, zwei Drittel also. Das bedeutet, um den Naturkreislauf einigermaßen unter Kontrolle zu behalten, MUSS die Johannishöhe sofort 1.000 Milliarden Bäume pflanzen…. Wir tun unser Bestes!9

Ich habe endlich mit meinem eigenen Projekt, dem Bau einer Kräuterspirale angefangen. Eine Kräuterspirale ist ein pflegeleichtes Trockenbiotop, in dem viele Kräuter gemäß ihrem optimalen Standort angepflanzt werden. 

Nach Süden ist die Spirale offen. Verwendete Materialien sind alte Ziegel (sie speichern Sonnenwärme und geben diese auch noch abends an ihre Umgebung ab), theoretisch viel Erde und etwas Sand für mediterrane Pflanzen. Diese sind in der Mitte des Beetes angesiedelt, das hier auch am höchsten ist. Je weiter unten, desto feuchter der Boden. Da die Erde hier in Leipzig sehr trocken und sandhaltig ist, reicht glücklicherweise alleine der gesiebte Kompost für die Spirale.

Die genaue Pflanzenauswahl habe ich noch nicht getroffen, ich will aber ganz sicher:

Ysop, Lavendel, Majoran, Rosmarin und Thymian in der Trockenzone

Koriander, Zitronenmelisse, Petersilie und Kapuzinerkresse in der mäßig/frischen Trockenzone

Schnittlauch, Dill, Pfefferminze in der Feuchtzone

Ich beschäftige mich aktuell viel mit Klimaschutz, der Umweltzerstörung und mit allem was daran hängt. Meine Mithilfe auf der Johannishöhe sehe ich als einen richtigen und wichtigen Schritt in Richtung meines naturbezogenen Lebens. Ich fühle mich den Pflanzen, meiner Umgebung verbunden, möchte dieses Leben erhalten, meine Existenz nutzen um Diversität zu fördern. So etwa Biodiversiät, ein sehr spannendes und relevantes Thema. Biodiversität meint die genetische Vielfalt innerhalb und zwischen den Arten, Vielfalt der Ökosysteme und Landschaften. 1

Quellen: 

1: WAS IST PERMAKULTUR?  https://permakultur.de/was-ist-permakultur/

2: Permakultur – die unterschätzte Chance für Biodiversität? https://www.jutta-paulus.de/permakultur-die-unterschaetzte-chance-fuer-biodiversitaet

3: Was sind Antioxidantien? https://www.minimed.at/medizinische-themen/stoffwechsel-verdauung/was-sind-antioxidantien/

4: Pilze https://de.wikipedia.org/wiki/Pilze

5: Rotkohl https://de.wikipedia.org/wiki/Rotkohl

6: KLIMA LEIPZIG https://de.climate-data.org/europa/deutschland/sachsen/leipzig-6378/

7: Mais, https://de.wikipedia.org/wiki/Mais

8: Stark-, Mittel- und Schwachzehrer https://www.meine-ernte.de/gartentipps/rund-um-den-gemuesegarten/starkzehrer/

9: fluter Frühjahr 2021/Nr 78